Geschichten der Mühlen

Zu den frühen üblichen dörflich-bäuerlichen Strukturen zählten als wichtige Einrichtungen auch ein oder zwei Mühlen, die bei uns in Süddeutschland meist an einem Bach oder Flusslauf als Wassermühlen die Kraft des Wassers durch eine geschickte Mechanik in eine nutzbare Drehbewegung umwandelten. Die Wassermühle ist nur eine von 140 Arten von Mühlen, die bekannteste Verwandte der Wassermühle ist wohl die Windmühle im Flachland des Nordens oder auch die Roßmühle.


Mühlen in Rußheim

So waren auch in Rußheim einstmals drei Mühlen anzutreffen:
Die Neumühle ist heute ganz vom Erdboden verschwunden. Sie befand sich an einem kleinen Umleitungskanal zwischen Rußheim und Liedolsheim
Die Schleifmühle, die “Nachbarin” der Waldmühle, wurde um 1750 als Holzbearbeitungsbetrieb angelegt und wurde später zur Getreidemühle mit Wasserturbine umgebaut. Ebenso kam noch eine kleine Ölmühle mit Wasserrad dazu. Sie wurde 1963 stillgelegt und nach und nach zum Wohnhaus umstrukturiert. Nach der Stilllegung verfiel so langsam das Wasserrad.
Die Waldmühle stand in Ihrer Gründungszeit noch in unmittelbarer bewaldeten Umgebung. Die heutige Waldgrenze wurde inzwischen durch die Agrarwirtschaft weit von der Mühle abgedrängt. Ihr Wasserrad wird heute zur Energiegewinnung genutzt. Die Müllereieinrichtung ist bei dem Brand am 13. Mai 2005 zum Teil zerstört worden.

Waldmühle
Schon vor der Gründung der Stadt Karlsruhe beginnt die Geschichte der Waldmühle, nämlich im Jahre 1447 erstmals erwähnt als eine Gründung durch den Markgrafen von Baden-Durlach – zu der Zeit als das damals 1200 Jahre alte Rußheim noch “Ruchesheim” hieß – in einem bewaldeten, moorigem Gebiet erbaut.

Die Waldmühle war bis etwa 1600 in fürstlichem Eigentum, ging dann durch Verkauf an die beiden Dörfer Rußheim und Liedolsheim über.
Durch Streitigkeiten zwischen den beiden Verwaltungen (schon vor über zweihundert Jahren) kam es Anfang des 19. Jahrhunderts nach dem Entstehen der Gewerbefreiheit zur Privatisierung der Mühle. Sie wurde am 25.07.1816 gekauft von Müller Friedrich Grötzinger für genau 426 Gulden und 9 Kreuzer. Seither wurde die Mühle mehrmals verkauft und ist inzwischen seit 4 Generationen Eigentum der Familie Dörnhöfer. Der heutige Eigentümer Herbert Dörnhöfer hat die Mühle nach dem Tod seines Vaters als gelernter Müller noch bis 1964 weiter geführt und die Mühle wurde nach der Stilllegung nicht wie sonst üblich abgerissen, sondern blieb bis 2005, als ein Teil der Einrichtung einem Großbrand zum Opfer fiel, erhalten. Einiges davon konnte inzwischen wieder ergänzt werden.
Die Waldmühle ist heute auf weiter Flur die einzige “historische” Anlage mit all ihren Nebengebäuden und Einrichtungen.

Stilllegungen
An der staatlichen Stilllegungsaktion von 1959 bis 1964 nahmen im alten Bundesgebiet rund 3.000 Mühlen teil. Diese freiwillige Teilnahme war für viele Müller eine Art Sprungbrett um mit der staatlichen Stilllegungsprämie eine neue Existenz zu finden. Durch diese staatliche Marktregulierung wurde andererseits den verbleibenden Mühlen die Möglichkeit auf eine sichere Wirtschaftsgrundlage erhöht.
So wurde auch die Waldmühle arbeitslos:
Maschinen stehen still
Gebäude altern und verfallen
für diese Mühle gab es 1964 kein Sprungbrett.
Ein Schicksal, das bis heute an Mühlen- und anderen Gebäuden nagt.
Anfang der 80er Jahre wurde die Waldmühle von lieben Menschen wiederentdeckt und der weitere Verfall wurde gestoppt. Inzwischen hat sie ihre Tore wieder geöffnet. Seitdem entdecken immer mehr Menschen das Kleinod an der Pfinz wieder. Sie ist nicht nur ein Denkmal vergangener Zeit, sondern hat bereits auch ihre neuere Geschichte mit neuen Aufgaben in unserer Zeit – zu der Sie mit Ihrem Besuch beitragen – sehen Sie selbst …